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Dragon Quest - Die Reise des verwunschenen Königs

PlayStation 2 | USK: ab 6 Jahren | Square Enix


Fluchaufhebung für Fortgeschrittene

Es war einmal ein König. Dieser und seine Tochter wurden von einem Hofnarren verflucht. Der König ist nun ein kleines grünes Monster, die Prinzessin ein Pferd. Der Fluch, den der Narr namens Dhoulmagus auf das Schloss des Königs legte, setzte alle im Schloss außer Gefecht. Alle, bis auf den König, die Prinzessin unsd den Helden, den ihr repräsentiert.

Kleiner Zeitsprung: Mit einem Karren seid ihr, der verfluchte König Trode, die (Pferde-)Prinzessin Medea und der Bandit Yangus auf dem Weg nach Farebury, einem Ort nahe des verwunschenen Schlosses Trodain. Dort lebt Rylus, ehemaliger Lehrer Dhoulmagus'. In Farebury angekommen habt ihr leider festzustellen, dass Rylus von seinem Schüler getötet wurde. Warum hat er das getan? Was wird er als nächstes anstellen? Das sind Fragen, die euch Dragon Quest im Laufe des rund 60 Stunden langen Abenteuers beantworten wird. Natürlich nicht, ohne zwischendurch weitere Fragen aufzuwerfen.

Natürlich seid ihr nicht nur in dieser kleinen Gruppe unterwegs. Relativ früh schließen sich die leicht dickköpfige und reizvolle Jessica und der charmante Templer und Frauenheld Angelo an. Ihr trottet zu viert von einem Ort zum nächsten, immer auf der Suche nach Dhoulmagus. Auch immer dabei: König Trode, der mit seinem neuen Aussehen erst einmal klarkommen muss und einen Hang zum plötzlichen Erscheinen hat, und Prinzessin Medea, die in Pferdeform den Karren zieht, mit dem die Gruppe durch die Welt reist.

Wie es sich für ein Rollenspiel gehört, bleibt es nicht bei der Hauptaufgabe allein. An soziemlich jedem Ort gibt es jemanden mit einem Problem, das ihr lösen dürft. Belohnt werdet ihr meist mit Hinweisen bezüglich Dhoulmagus oder wichtigen Gegenständen. Damit euch zum Beispiel der Wahrsager Khalderasha die Fluchtrichtung des Narren verraten kann, müsst ihr erst seine Kristallkugel wiederbeschaffen. Und, auch wieder typisch für ein Rollenspiel, natürlich kommt ihr nicht ohne Kampf an diese Kugel.

Neben der ohnehin schon weitläufigen Welt verschlägt es euch hin und wieder auch in diverse Dungeons. Diese sind recht übersichtlich aufgebaut und in der Regel gibt es gleich nahe des Eingangs die Karte des Dungeons. Verlaufen ist dadurch so gut wie ausgeschlossen. Auch sind die Höhlen und Verließe relativ kurz und nerven zu keiner Zeit. Hin und wieder gibt es auch einige ganz leichte Rätsel wie "Schiebe Kiste A auf Punkt B". Solltet ihr nach ausgiebiger Erkundung oder stark angeschlagen den Dungeon schnell verlassen wollen, reicht ein einfacher Zauber, den ihr sehr früh im Spiel erhaltet.

Aber natürlich dürft ihr nicht einfach so durch die Welt streifen. Ab und an tauchen Monster auf. Seid ihr in einem solchen rundenbasierten Zufallskampf verwickelt, könnt ihr zuerst entscheiden, ob ihr kämpfen, fliehen oder die Feinde verscheuchen wollt. Während sich die Flucht von selbst erklärt, sorgt das Verscheuchen-Kommando dafür, dass sich die Gegner dünne machen und dabei vielleicht ein Item zurücklassen. Aber natürlich werdet ihr nicht hauptsächlich vor Gegnern reißaus nehmen oder sie verjagen, sondern ihnen eins auf die Mütze geben.

Insgesamt habt ihr sechs Kampfbefehle zur Auswahl: Angriff, Fähigkeit, Zauber, Gepäck, Abwehren und Konzentrieren. Wählt ihr "Angriff", schlägt der Charakter mit seiner Waffe zu. Dabei kann jeder Charakter mit einer von drei verschiedenen Waffentypen ausgerüstet werden. Der Held beispielsweise kann Schwerter, Speere und Bumerang verwenden. Unter "Fähigkeit" findet ihr Talente, die ihr im Laufe des Spiels durch Aufbauen der entsprechenden Waffen- und Spezialtalente beim Levelaufstieg erlernt.Dabei ist zu beachten, dass waffenspezifische Talente nicht mit anderen Waffen funktionieren. "Zauber" zeigt euch eure ensetzbaren Kampfzauber, "Abwehren" lässt euch den physischen Schaden eine Runde lang reduzieren. Beim "Gepäck" habt ihr Zugriff auf die Tasche des Charakters, die auf 12 Slots begrenzt ist. Anders der Beutel, in dem soviel mitgeschleppt werden kann, wie man will. Dafür kann man im Kapmf aber nicht auf den Beutel zugreifen. "Konzentrieren" darf als einer der wichtigsten Punkte angesehen werden. Denn mit steigender Konzentration werden eure Angriffe stärker. Aber nach dem ersten Zug, in dem ihr euch nicht konzentriert, sinkt diese auf Null. Die Kämpfe sind somit stark taktisch aufgebaut. Vor allem die furiosen Bosskämpfe.

Gespeichert werden darf übrigens nur in Kirchen. Speicherpunkt in Dungeons gibt es nicht. Daher ist es enorm wichtig, den heiligen Einrichtungen einen Besuch abzustatten. Sollte eure Gruppe im Kampf besiegt werden, heißt das aber nicht "Game Over". Ihr werdet lediglich mit der Hälfte eure Geldes in der zuletzt besuchten Kirche abgesetzt.

Die Technik des Spiels ist zweischneidig. Nüchtern betrachtet sieht die Umgebung eigentlich nicht allzu gut aus. Aber in Kombination mit diversen Details wie etwas Schmetterlingen versprüht das Spiel einen unglaublichen Charme. Die Charaktere aus der Feder des Dragon Ball-Schöpfers Akira Toriyama, ob Freund oder Feind, sehen fantastisch detailverliebt aus und lassen andere optische Defizite schnell vergessen. Der Sound ist wunderbar: Sowohl die Musik als auch die (englische) Synchronisation ist erstklassig.

Fazit: 60 Stunden voller Spaß und Spannung im Manga- und Old-School-Gewand. Dragon Quest - Die Reise des verwunschenen Königs ist ein wunderbares Rollenspiel mit fantastischer Geschichte, liebevollen Charakteren und einer genialen wie auch witzigen Synchronisation (Yangus' Akzent ist ungeschlagen). Insgesamt kann ich das Spiel bestem Gewissens weiterempfehlen.

Meine Wertung: 92%