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Hitman 2: Silent Assassin


Release: 2002
Entwickler : Io-Interactive
Publisher : Eidos
USK: keine Jugendfreigabe
Plattform : PC | Playstation2 | GameCube | XBox



Der zweite Teil der Geschichte um den glatzköpfigen Klon-Killer 47 beginnt sehr ruhig und rätselhaft. Im Intro wird man Zeuge eines Gesprächs zwischen zwei bis dato unbekannten Personen, das sich um den Protagonisten des Spiels dreht.
Im darauf folgenden Tutorial auf Sizilien erfährt man, dass sich der berüchtigte Auftragsmörder 47 dort zur Ruhe gesetzt hat und den Garten der örtlichen Kirche pflegt. Gerade als 47 bei seinem einzigem Freund, dem Priester, sein früheres Leben gebeichtet hat, wird dieser von der Mafia entführt. Dadurch sieht 47 sich gezwungen wieder in seinen schwarzen Maßanzug zu schlüpfen und die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen.

Also nimmt er Kontakt zur ,,Agentur’’, seinem alten Arbeitgeber, auf und bittet um Hilfe bei der Befreiung seines Freundes. Die Agentur erklärt sich dazu bereit, wenn 47 wieder für sie arbeitet, wobei arbeiten natürlich morden heißt.

Und so wird der Spieler von der freundlichen Frauenstimme Dianas, die die Aufträge der Agentur an 47 übermittelt, in jeden Einsatz eingewiesen und durch Informationen unterstützt. Dabei reist 47 von Russland über Japan und den nahen Osten bis Indien und Indonesien und muss überall möglichst diskret seine Ziele erledigen. Zwar ist die Story um den entführten Priester etwas schwach und die Einsätze hängen oft nicht zusammen, doch ist das eigentliche Missionsdesign fast durchgängig hochwertig. Als Beispiel soll die Mission ,,Wo ist Hayamoto’’ dienen:

Da das eigentliche Ziel der Agentur, Hayamoto Senior, untergetaucht ist, muss 47 dessen Sohn eliminieren und an der Leiche einen Peilsender anbringen um die Position des Vaters, der die Leiche seines Sohnes zu sich holen wird, zu bestimmten.
Hayamoto Junior lebt in einer japanischen Villa umgeben von vielen Leibwächtern. Nun gibt es für Agent 47 mehrere Möglichkeiten, Hayamoto Junior zu töten. Er kann entweder vorsichtig zum Anwesen schleichen, die Wachen umgehen und dann Hayamoto durch gezielte Schüsse oder Erdrosseln mit einer Klaviersaite aus dem Hinterhalt erledigen und den Sender an seiner Leiche anbringen oder sich eines Scharfschützengewehres bedienen um den Japaner durch ein Fenster zu erschießen und später, wenn die Unruhe sich gelegt hat, zur Leiche schleichen und mit dem Sender versehen oder sich als Koch verkleiden, das Sushi von Hayamoto mit Gift und dem Sender zusätzlich würzen und einfach darauf warten, dass die Zielperson zu Abend isst. So wie diese bietet jede Mission viele Lösungswege, wobei nicht alle gleich gut sind. Trotzdem ist es immer möglich und auch erwünscht, niemanden außer der Zielperson zu töten. Das Töten weiterer Personen, besonders Unschuldiger, wie zum Beispiel Passanten oder Partygästen, wird zwar nicht direkt bestraft, sofern die Missionsbeschreibung es nicht anders vorsieht, doch führt ein zu zahlreiches Morden zu schlechteren Wertungen für die Mission, was für den eigentlichen Spielverlauf aber irrelevant ist.

Zwischen den Missionen kehrt 47 nach Sizilien in seinen Gärtnerschuppen zurück, der gleichzeitig als Waffenkammer dient. Dort lagert er Munition und alle Waffen, die er auf seinen Missionen findet, wobei 2 Waffen nicht durch normales Finden sondern nur durch das Erringen der ,,Lautloser Killer’’ -Wertung bei zwei Missionen freigeschaltet werden können. Diese Wertung ist die Beste die man erreichen kann und setzt voraus, dass außer der Zielperson niemand zu schaden gekommen ist und 47 nie seine Tarnung verloren und Alarm ausgelöst hat. Auf Sizilien kann man sich auch in aller Ruhe mit der Steuerung vertraut machen, die auf den ersten Blick etwas kompliziert erscheint, aber relativ schnell gut von der geht. Einzig die Tatsache, dass man keine Minikarte zur Verfügung hat sondern immer durch Druck der Select-Taste zur Karte schalten muss, ist auf Dauer nervig.

Wo wir grad von technischen Sachen reden:
Zur Grafik des Spiels kann man nicht allzu viel sagen, Hitman 2 ist 2002 erschienen, wodurch die Grafik natürlich nicht topaktuell ist, jedoch ist sie für das Alter des Spiels ganz in Ordnung.
Der Sound hingegen ist eine sehr angenehme Überraschung:
Der Komponist des Soundtracks Jesper Kyd hat alle Titel mit dem Orchester und dem Chor des Budapester Symphonieorchesters aufgenommen, wodurch ein wirklich sehr guter Klang für das Spiel entstanden ist. Die Spielgeräusche wie Schüsse, Schritte und fahrende Autos sind zwar von nicht ganz so hoher Qualität, aber wenigstens kein Totalausfall. Die Dialoge sind gut vertont, die Sprecher machen ihre Arbeit allesamt tadellos und auch die Dialoge die zum Beispiel Passanten oder Wachen untereinander führen klingen authentisch und sind in der jeweiligen Landessprache, was mir bei der Mission in der deutschen Botschaft besonders angenehm aufgefallen ist, da alle Wachen ein sauberes akzentfreies Deutsch beherrschen. Was den Speicherverbrauch auf der Memory-Card betrifft ist das Spiel eine echte Wucht: Sage und schreibe 499 KB ist die Speicherdatei von Hitman 2 Silent Assassin groß.
Zum Vergleich:
Metal Gear Solid 3: 83 KB
Der Herr der Ringe Das Dritte Zeitalter: 105 KB
Soulcalibur 2: 137 KB
Tekken 5: 56 KB
Final Fantasy 10: 63 KB
Im Hinblick auf diese Vergleichswerte, ist die Speicherdatei einfach riesig. Meiner Meinung nach hätte der Entwickler an
Dieser Stelle noch etwas verbessern müssen.

Apropos Wachen: Die KI des Spiels ist teilweise ein wahres Mysterium und manchmal wirklich ein Grund zum Verzweifeln.
Wenn zum Beispiel Alarm ausgelöst wird, weil 47 auf der Herrentoilette mit einer Schrotflinte eine Wache beim Pinkeln ins Jenseits befördert hat, rennen alle Wächter gradlinig hintereinander in die Herrentoilette, auf der 47 sie mit der Schrotflinte einen nach dem anderen in Empfang nehmen kann, anstatt die Toilette zum umstellen. Um einen weiteren Mangel zu erläutern, nehmen wir einmal an, dass 47 sich nach seiner Bluttat am stillen Örtchen in einer Toilettenkabine versteckt. Die Wächter müssen nun nicht eine Sekunde lang suchen in welcher Kabine der Agent ist, sondern rennen auf Anhieb zur richtigen und laufen dem Killer dort wieder einer nach dem anderen vor die Flinte. Zu guter letzt bleibt noch der Verkleidungstrick: Wenn 47 sich so verhält, dass ein Passant ihn bei den Wachen meldet, erscheint auf dem Bildschirm die Warnung für den Spieler: ,,Die Wachen suchen einen verdächtigen Mann mit Glatze’’ Wechselt 47 jedoch nun die Kleidung und verkleidet sich als Wachmann lassen ihn die anderen Wächter bis zur nächsten Auffälligkeit in Ruhe, obwohl er immer noch eine Glatze hat. Das funktioniert mit jeder Verkleidung und in jeder Mission. Diese teilweise wirklich schweren Mängel bleiben auf allen drei Schwierigkeitsgraden gleich. Die einzelnen Schwierigkeitsgrade unterscheiden sich jedoch in Anzahl der Speichermöglichkeiten pro Mission (Normal: 7 Speicherpunkte, Schwer: 3 Speicherpunkte, Profi: keine Speicherpunkte), der auf der Karte angezeigten Gegner, Unschuldiger und Zielpersonen und der Leichtgläubigkeit der Wachen, die auf den beiden höheren Schwierigkeitsgraden öfter dazu neigen, 47 trotz Verkleidungen genauer zu beobachten.

Nun möchte ich mich noch kurz der USK-Einstufung ,,keine Jugendfreigabe’’ widmen. Da 47 töten MUSS um die Missionen erfolgreich zu beenden und auch auf teilweise sehr grausame Art töten kann, ist die Einstufung der USK bei Hitman 2 Silent Assassin angebracht. Hinzu kommt die reichliche und meist realistische Darstellung von Blut und die Möglichkeit Unschuldige zu töten, ohne dadurch wirkliche Strafen hinnehmen zu müssen. Da man durch die Schulter- oder Ego-Perspektive des Spiels sehr nah an den Geschehnissen des Spiels ist, bemerkt man noch mehr von der Brutalität, als zum Beispiel bei einem Strategiespiel aus der Vogelperspektive. Dieses Spiel sollte keinesfalls in die Hände von Kindern gelangen und ich rufe hiermit alle Eltern, die solche Spiele spielen, dazu auf, es um ihrer Kinder Willen nicht zu tun, wenn diese anwesend sind.

Fazit: Wer Spaß an Schleich-Shootern mit fragwürdigen (anti-) Helden hat, wird Hitman 2 sicherlich mögen, da das Missionsdesign herrlich, der Sound fantastisch und das Flair durchweg stimmig ist. Zwar trüben die lahme KI, die alte Grafik und die nicht immer überzeugende Story den Spielspaß, doch lohnt sich Hitman 2 Silent Assassin auf jeden Fall für Freunde des Genres.

Wertung: 81%



Hitman Contracts


Release: 2004
Entwickler : Io-Interactive
Publisher : Eidos
USK: keine Jugendfreigabe
Plattform : PC | Playstation2 | XBox


Der dritte Teil der Hitman-Reihe und zweiter Titel im Hitman-Bundle, Contracts, beginnt mit einer Videosequenz, die einen schwerstverwundeten 47 zeigt, welcher sich mit letzter Kraft in ein schäbiges Hotelzimmer zerrt. In der relativen Sicherheit seines Verstecks halluziniert er von vergangenen Aufträgen, in denen der Spieler die Kontrolle übernimmt und den Mord durchführen muss.
Die Aufträge hängen diesmal nur selten wirklich zusammen und ergeben dadurch keine klassische Storyline.
An der Steuerung hat sich wenig verändert. Nur die Taste, die früher für das Schleichen verantwortlich war, ist jetzt für die Karte zuständig. Aber spätestens wenn man von einem Kugelhagel zerfetzt worden ist, weil man, anstatt sich hinter die rettende Kiste zu ducken auf die Karte geblickt hat, bleibt die Veränderung im Geiste hängen.

Die Einsätze ähneln vom groben Aufbau denen der Vorgänger. Es gilt wieder, die Zielperson möglichst unauffällig zu beseitigen und zu fliehen. 47 stehen dafür mehr Waffen zur Verfügung als im Vorgänger, wobei manche aber nur Abwandlungen der alten Geräte darstellen (z. B. Betäubungsspritze statt Chloroformtuch). Die Szenarien wirken dieses mal düsterer und unwirtlicher, was auf die permanente Dunkelheit in allen Spielabschnitten zurückzuführen ist. Das Missionsdesign jedoch ist wiedereinmal grandios. Jedes mal gilt es unter anderen Umständen anderen Zielsätzungen zu erfüllen (wobei natürlich den Tod der Zielperson zum Ziele haben.) Natürlich führen auch in Contracts mehrere Wege zum Ziel. So kann 47 beispielsweiße einen ranghohen Triaden-Unterhändler, der mit der feindlichen Triade in einem Teehaus einen Waffenstillstand verhandelt entweder durch rohe Waffengewalt unter Inkaufnahme hoher Verluste erledigen, ihn durch einen präzisen Schuss mit dem Scharfschützengewehr aus großer Entfernung erledigen oder sich die Verkleidung eines Gärtners zulegen, sich ins Teehaus schleichen und den Tee des Unterhändlers vergiften. Sollte eine Mission erledigt werden ohne das 47 mehr Menschen als die Zielperson getötet hat und nicht entdeckt worden ist, erhält er, wie auch schon in Silent Assassin, den Rang des lautlosen Killers und schaltet dadurch Bonuswaffen frei. Zwischen den Missionen sieht man 47 wieder in seinem Versteck halluzinieren, was dann direkt zum nächsten Auftrag führt.
Die Grafik des Spiels ähnelt der des Vorgängers stark, sodass sich das Auge jedes Silent Assassin-Veteranen sofort zurechtfindet.
Der Sound, vor allem der Soundtrack, hat sich jedoch verschlechtert, was wohl daran liegt, dass Jesper Kyd, der auch schon den Soundtrack des Vorgängers komponiert hatte, für Contracts nicht mit einem Orchester zusammengearbeitet hat. Die Synchronstimmen sind, bis auf die der Agenturmitarbeiterin Diana, die Selben geblieben und klingen auch wieder genauso überzeugend.
Die KI-Mängel wurden leider größtenteils nicht behoben, auch der horrende Speicherverbrauch von Silent Assassin wurde bis aufs Kilobyte genau übernommen.
Die Schwierigkeitsgerade sind ebenfalls die Selben wie im Vorgänger.
Die Story, die wie schon erwähnt, kein festes Gerüst hat, lässt die Frage nach dem Warum bis zu letzt vollkommen offen und selbst während man den Abspann betrachtet sind noch nicht alle Fragen geklärt.
Auch die Einstufung der USK kann bedenkenlos von Silent Assassin auf Contracts übertragen werden, da das Töten wieder elementarer Bestandteil des Spiels und nicht zu umgehen ist, wobei die Möglichkeiten und der Realismusgrad eine solche Einstufung vollkommen rechtfertigen.

Fazit: Wie man schon auf einen Blick sieht, ist dieser Test bedeutend kürzer ausgefallen als der zu Hitman 2: Silent Assassin. Das liegt hauptsächlich daran, dass sich kaum etwas verändert hat. Sowohl stärken als auch Mängel werden fortgeführt, wobei die Story von Contracts noch schwächer ist als die des Vorgängers. Die Empfehlung für Freunde des Genres und Agent 47 kann klar gegeben werden, jedoch muss die Wertung wegen der spärlichen Neuerungen und der Story sinken.

Wertung: 76%