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Hitman: Blood Money


Release: 26. Mai 2006
Entwickler : Io-Interactive
Publisher : Eidos
USK: keine Jugendfreigabe
Plattform : PC | Playstation2 | Xbox 360


Endlich, nach viel zu langer Pause, veröffentliche ich den Test zum aktuellsten Hitman-Spiel.
In Blood Money geht Agent 47 wie auch in den vorhergehenden Spielen seinem blutigen Tagewerk nach und versucht dabei möglichst unauffällig und filigran vorzugehen, was in diesem Teil der Serie besonders wichtig ist, da Io als wichtige spielerische Neuerung das Bekanntheitssystem eingeführt hat. Dieses sorgt dafür, dass Aufsehen erregende Morde und Aktionen, die der Killer in einer Mission begeht, nicht am Ende des Levels vergessen, sondern in Form von Bekanntheit zum nächsten Auftrag folgt. In der Spielpraxis bedeutet das, dass Passanten beim Anblick von 47 zu Polizisten laufen um ihn zu melden, da sie sein Gesicht von einem Steckbrief her kennen, welcher angefertigt wurde, nachdem der Glatzkopf im letzten Auftrag ein regelrechtes Blutbad angerichtet hat. Darüber hinaus erkennen Sicherheitskräfte 47 von Sicherheitsvideos oder aus Tatberichten wieder, die jedoch vom Killer im Verlauf eines Levels gestohlen werden können, um zu verhindern, dass seine markanten Züge auf den Titelseiten aller Zeitungen des Landes zu sehen sind. Darüber hinaus hat der Spieler die Möglichkeit am Ende einer Mission Zeugen oder Polizisten zu bestechen und im Falle eines Falles sogar komplett neue Papiere zu kaufen, wodurch er seine komplette Bekanntheit verliert. Dafür wird natürlich eine große Menge Geld benötigt, aber Agent 47 verdient mit seinen Morden genug, um sich so etwas leisten zu können. Mit diesem Geld kann er ebenfalls Informationen über sein aktuelles Ziel oder Modifikationen für seine Waffen kaufen, was deren Eigenschaften enorm verbessert. Dieses Upgrade-System ist ebenfalls neu und sehr nützlich.
Die Grafik, der Sound und die Animationen wurden in Blood Money komplett überarbeitet und erfreuen sowohl Auge als auch Ohr. Nur der Grenzbereich zwischen Laufen und Rennen, die durch unterschiedlich starkes Drücken des linken Analog-Sticks bestimmt werden, sehen die Bewegungen des Auftagsmörders steif und unnatürlich aus. Der Speicherbedarf auf der Memory-Card hat sich ebenfalls verändert, hier jedoch leider nicht zum Guten. Blood Money nimmt ziemlich genau soviel Platz ein, wie Silent Assassin und Contracts zusammen. Io sollte hier ernsthaft an der technischen Umsetzung arbeiten.

Aber nach all dieser Theorie über das Spiel wollen wir nun zur Praxis schreiten und prüfen, wie sich Agent 47 in seinem neusten Abenteuer schlägt.
Das Spiel beginnt mit einem wenig aussagekräftigen Intro, in welchem wunderbar melodiöse Musik erschallt. Nach der Wahl eines der 4 Schwierigkeitsgerade (Anfänger, leicht, mittel schwer) wird man direkt ins Tutorial katapultiert, in dem
der Spieler die Grundlagen des Spiels vermittelt bekommt. Hier fällt ein weiterer großer Unterschied zum direkten Vorgänger Contracts auf: Die Sonne scheint wieder!
Nach dem Einführungslevel wird die Handlung des Spiels durch Videosequenzen erzählt, in denen unterschiedliche Personen von den Taten des Agenten berichten. Man spielt also Flashbacks und treibt so die Handlung, also die Erinnerung der Erzähler voran.
Zwischen den einzelnen Etappen kehrt 47 wieder in seinen Unterschlupf zurück um seine Waffensammlung zu bewundern und sich für die nächsten Aufträge zu rüsten.
Das eigentliche Missionsdesign ist wie üblich herausragend. Am besten lässt es sich an einem konkreten Beispiel erläutern, also ziehe ich die Mission ,,Checken sie aus?’’ heran.
Agent 47 muss einen Agenten, der als verdeckter Ermittler in eine Heilanstalt eingeschleust wurde ausfindig machen, damit er ihm den Namen seiner ebenfalls dort lebenden Zielperson verrät, ihn mit einem Serum in einen todesähnlichen Zustand versetzen und dann im Leichenschauhaus wiederbeleben, da er von den Sicherheitsleuten im isolierten Bereich der Klinik festgehalten wird. Schon an diesem Grundkonzept erkennt man die Erstklassigkeit des Leveldesigns. Hier ist nichts flach oder undurchdacht, hier hat alles Hand, Fuß und vor allem Tiefe.
Dem Spieler stehen jetzt unglaublich viele Möglichkeiten frei, in die Klink einzudringen. Er kann entweder eine Einweisung in das Krankenhaus stehlen und sich als Patient tarnen, muss dabei jedoch seine Waffen abgeben, da das Sicherheitspersonal Heilungsbedürftige mit Handfeuerwaffen ungern sieht. Man kann sich auch durch den Hintereingang schleichen und dann versuchen unauffällig durch den Keller in den isolierten Bereich zu schleichen oder über die Regenrinne auf das Dach klettern und sich von dort aus einen Weg zum Ziel bahnen. Ist man dann erstmal im isolierten Bereich angekommen gilt es den zahlreichen Wächtern auszuweichen, den Agenten zu finden und von ihm die Informationen zu erhalten. Abhängig vom bisherigen Vorgehen kann der Killer nun entweder mit purer Waffengewalt sein Glück versuchen oder sich eine Wärteruniform zu besorge und den Agenten quasi während einer ,,Routineuntersuchung’’ befragen und einschläfern. Nachdem der Name des Ziels bekannt ist, kann der Mord an dieser entweder als Unfall getarnt werden (Leuchter, Hanteln und Gasherd bieten genug Gelegenheiten) oder in einer der einsamen Ecken der Anstalt begangen werden. Als Bonusziel erhält 47 im Verlauf des Auftrags den Hinweis, dass zwei weitere Kriminelle, die zu beseitigen sind, auch in die Klinik eingewiesen worden sind. Durch solche Bonusziele kann der Spieler seinen Kontostand noch zusätzlich aufbessern. Schlussendlich muss man sich noch ins Leichschauhaus begeben, den Agenten wieder aufwecken und das Areal verlassen, wobei man aber beachten sollte, alle Ausrüstungsgegenstände, die man mitgebracht hat, auch wieder mitzunehmen und das Level im Anzug zu beenden, da sonst die Agentur 5000$ Ausrüstungs- und noch mal 5000$ Anzugsbergekosten berechnet. (Anzugsbergekosten!!!)

Die restlichen Missionen laufen nach ebenso einzigartigen und großartigen Mustern ab und offenbaren immer wieder Überraschungen und Innovationen. An der Steuerung des Agenten 47 hat sich im Vergleich zum Vorgänger auch nichts verändert, ebenso wenig wie an der Darstellung von Gewalt. Auch hier ist die rote Plakette der USK voll gerechtfertigt.

Fazit: Bessere Grafik, besserer Sound, wieder mal geniales Missionsdesign, gelungene Präsentation. Auf der anderen Seite leider auch wieder mal Speicher- und KI-Schwächen. Trotzdem wird niemand bestreiten können, dass Blood Money der beste teil der Serie ist. Ich freue mich wirklich auf den nächsten Teil der Hitman-Reihe

Wertung: 86%