Archiv

Warhammer: Mark of Chaos


Release: 24.November 2006
Entwickler: Black Hole Entertainment
Publisher: Bandai Namco Games
USK: Freigegeben ab 12 Jahre
Plattform: PC


Stell dir vor, es ist Krieg und alle gehen hin. In Warhammer: Mark of Chaos ist das nicht nur eine Vorstellung sondern blutige, aber stilechte Realität. Es handelt sich bei dem Spiel von Black Hole nämlich um einen weiteren Versuch das Universum von Warhammer Fantasy in einem Echtzeitstrategiespiel umzusetzen.
Warhammer Fantasy ist ein von Games Workshop erfundenes Fantasy-Universum, indem Menschen, Zwerge, Elfen, Orks, Untote, etc. im Prinzip ständig im Kriegszustand sind und sich gegenseitig die Schädel einschlagen. Das Ganze wurde als Tabletop-Spiel entwickelt und existiert bereits seit 1982.
Und das ist genau der Punkt, an dem Mark of Chaos seinen Ansatz als Computerspiel macht. Die Entwickler hatten sich eine Umsetzung vorgenommen, die das Flair des Tabletops einfängt und so dem Spieler das Gefühl gibt, keine Polygonmännchen sondern richtige Miniaturen durch die Gegend zu kommandieren. Ob das Vorhaben der Entwickler geglückt ist, werdet ihr am Ende des Berichtes sehen können.

Das Spiel beginnt mit einem Render-Intro, das einen Überfall der Streitkräfte der Chaos-Götter auf einen Expeditionstrupp des Imperiums der Menschen zeigt. Damit wären zwei der vier voll spielbaren Parteien präsentiert. Im Spielverlauf werden sich noch Hochelfen und Skaven (Rattenmenschen) dazu gesellen.
Das Hauptmenü präsentiert sich schlicht und einfach, beinhaltet die üblichen Funktonen wie Optionsmenü, Einzelspieler, Mehrspieler, Mitwirkende usw. Eine einzigartige Funktion des Spiels ist die Möglichkeit, eine eigene Armee zu kreieren. Wenn man diesen Knopf im Hauptmenü anklickt, kann man eine vorgefertigte Armee des Spiels als Ausgangsbasis nehmen, die einzelnen Modelle nach gusto bemalen und mit Ausrüstung versehen. Das bietet dem Spieler die Möglichkeit eine Armee zu spielen, mit der er sich vollkommen identifizieren kann, da sie sein Werk ist. Diese Funktion ist natürlich an das Tabletop angelehnt, bei dem man seine Miniaturen auch selbst bemalt. Eine weitere Überraschung erscheint, wenn man den Einzelspieler-Modus auswählt. Von dort aus kann man die Kampagne des Spiels starten oder gespeicherte Kampagnenspeicherstände laden, aber das war’s auch schon wieder. Es gibt keine freien Schlachten im Einzelspielermodus.
Der Mehrspielermodus hingegen bietet frei wählbare und einstellbare Schlachten sowohl für LAN-Kriegsherren als auch für Internet-Kommandeure, bei denen Karte, finanzielle Mittel, Aufstellungszeit der Truppen und andere Faktoren vom Host bestimmt werden können.
Beginnen wir jedoch zunächst mit der Kampagne von Mark of Chaos. Man hat die Wahl zwischen den Streitkräften des Imperiums und den Horden des Chaos, wobei die Menschen im Verlauf der Handlung Unterstützung seitens der Hochelfen erhalten und sich die Diener des Chaos nach einigen Missionen einen Stamm der Skaven dienstbar machen. Egal welche von beiden Kampagnen man wählt, man bekommt als erstmal etwas auf die Ohren. Nämlich die deutsche Synchronisation, die wirklich nicht gut gelungen ist. Hin und wieder macht ein Sprecher seine Arbeit so, dass es halbwegs überzeugend wirkt, aber die meiste Zeit über muss man sich lieblos heruntergeleierte Texte anhören, die mit der selben Begeisterung präsentiert werden, mit der ich an einem Montag morgen aufstehe. Die Story um die marodierenden Chaosbanden, die nach einer großen Schlacht die Lande unsicher machen ist nicht schlecht, bietet aber weder besonderen Tiefgang noch dramatische Wendungen. Die einzelnen Etappen werden entweder in kurzen Zwischensequenzen in Spielgraphik oder in teilweise synchronisierten Textboxen präsentiert.

Der Ablauf der Kampagnen, die beide in mehrere Kapitel gegliedert sind, ist recht linear, nur hin und wieder kann man eine optionale Mission erfüllen um an Geld oder Ausrüstungsgegenstände zu kommen. Das Geld braucht man, um sich in den Städten und Dörfern, auf die man auf dem weg zum Ende des Kapitales stößt, neue Einheiten, Gegenstände zu kaufen oder gefallene Helden wieder auferstehen zu lassen. Basisbau innerhalb der Missionen gibt es nicht, der Spieler verfügt nur über seine Einheiten und Helden, die er nach der Mission wieder heilt und in die nächste Schlacht schickt, nach dessen Ende eine weitere Regenerationsphase folgt. Eine angenehme Abwechslung in diesem Trott ist eine Mission der Chaos-Kampagne, in der man mit dem Protagonisten Thorgar allein mehrere Prüfungen der beiden Chaosgötter Khorne und Nurgle bestehen und sich schließlich einen der beiden als Schirmherr erwählt. Kenner des Warhammer-Universums horchen auf: Khorne, Nurgle….. was ist mit Slannesh und Tzeentch, den beiden anderen dunklen Gottheiten? Sie wurden nicht als Schirmherren eigener Chaos-Armeen ins Spiel eingebaut, obwohl Tzeentch’s Name mehrmals als Schlachtruf fällt und in diversen Zwischensequenzen auf die beiden fehlenden Götter verwiesen wird.

Die Helden in der Kampagne sind die Storyträger und die mächtigsten Einheiten auf dem Feld. Sie kämpfen wie reguläre Einheiten, es sei denn, sie treffen auf einen gegnerischen Heroen. Dann kann der Spieler den Duellmodus auswählen und den Helden dann in einem Kampf Mann gegen Mann steuern. Für diese Kämpfe stehen dem Helden dann besondere Fähigkeiten zur Verfügung, er kann die Talente aus dem normalen Schlachtverlauf aber nicht benutzen. Durch das Besiegen von Gegnern und Bestreiten von Duellen sammeln sie Erfahrung und können dadurch über einen rollenspielechten Talentbaum ihre Fähigkeiten verbessern. So lernt ein imperialer Feuermagier auf Level 25 einen Zauber, der es ihm ermöglicht einen Meteoriten auf seine Gegner stürzen zu lassen. Solche Zauber sehen, wie der Rest des Spiels auch, sehr schmuck aus, wenn man bedenkt, dass der Release des Spiels bereits ein Jahr zurück liegt. Besonders die Einschläge von Katapultgeschossen sehen sehr eindrucksvoll aus, da getroffene Einheiten in die Luft gewirbelt werden und dann in weitem Kreis verstreut mehr oder weniger lebendig landen.
Man kommandiert während des Spiels, wie auch im Tabletop, Einheitengruppen, die aus unterschiedlichen Mengen einzelnen Modellen bestehen. So setzt sich eine Einheit imperiale Musketenschützen aus 36 Mann zusammen, während eine Einheit Ritter des ungeteilten Chaos nur 10 Mann umfasst. Der Spieler kann seine Helden einem Regiment zuweisen, wodurch dieses einen Moralschub erhält und von manchen Fähigkeiten des Helden profitiert. Die Moral ist eines der wichtigsten Elemente des Spiels, denn wenn eine Einheit zu verängstigt ist, um sich dem Gegner zu stellen, flieht sie und ist sie solange nutzlos, bis sich ihre Moral wieder regeneriert hat. Dadurch kann man ein Regiment mit vielen Lebens- oder Rüstungspunkten kampfunfähig machen ohne alle Modelle töten zu müssen. Auch diese Idee wurde aus Games Workshops Wunderwelt übernommen. Sollte eine demoralisierte Einheit bis zum Kartenrand fliehen, hat sie das Schlachtfeld verlassen und wird als Verlust behandelt. Das Ziel von ca. 90% der Missionen ist es, alle feindlichen Einheiten zu vernichten oder zu vertreiben, was schnell zu Langeweile führt. Die Belagerungen von Burgen erfordern zwar etwas mehr taktisches Vorgehen, doch ist die Zielsetzung die gleiche. Gerade in Anbetracht der schier unendlichen Möglichkeiten die die vielen von Games Workshop geschaffenen Szenarien und Schlachten wäre bei dieser Umsetzung entschieden mehr Einfallsreichtum nötig gewesen.

Die computergesteuerten Widersacher, die das Spiel den tapferen Recken der Kampagne entgegenschickt beeindrucken wenn überhaupt durch Masse und das auch nur auf höchstem Schwierigkeitsgrad. Die Truppen der KI stehen entweder lammfromm in der Walachei herum oder laufen immergleiche Routen ab und warten darauf, vom Spieler besiegt zu werden. Hin und wieder werden vorgefertigte Skripts abgespielt, die einen Ausfall aus einer Festung oder einen Hinterhalt auflösen, aber eine richtige KI, die ihre Truppen wie ein General in die Schlacht führt gibt es nicht.

Die eigenen Truppen machen im Vergleich zu den gegnerischen eine bessere Figur, wobei das bedeutet, das sie im Wesentlichen keine programmierbedingten Fehler machen. Nur hin und wieder werden Formationsbefehle auf unebenem Gelände falsch ausgeführt, sodass die Bogenschützen in erster Reihe mit dem Rücken zum anstürmenden Gegner auf ihr Schicksal warten und die Nahkämpfer mehrere Meter von der Front entfernt stehen. Die Wegfindung funktioniert bei regulären Truppen gut, nur die Belagerungsmaschinen verkanten sich gern aneinander oder an kleineren Modellen.

Da mit der Kampagne der komplette Einzelspielerpart abgedeckt ist, widmen wir uns nun dem Mehrspielermodus. Ich habe mich mit meinem selbst erstellten Skavenhaufen für diesen Test in die Schlacht geworfen und muss sagen, dass das Spiel gegen einen vernünftigen Gegner sehr viel unterhaltsamer ist.
Durch den fehlenden Basisbau und den Mangel an Nachschub wird jede Einheit wertvoll, die Duelle sind sehr spannend und die gesamte Schlacht spielt sich durch die recht kleinen Karten angenehm kurzweilig. Die Spielerfahrung reicht zwar nicht an ein Warcraft 3 oder ein Age of Empires 3 heran, aber für eine nette Runde zwischendurch reicht es allemal. Das wesentliche Problem am Mehrspielermodus ist die Tatsache, das es sehr lange dauern kann, bis man einen Gegner gefunden hat, da die Community nicht viele Spieler umfasst.


Fazit: Das Flair des Tabletops fängt Warhammer: Mark of Chaos mit Heldenduellen und dem Bemalen von Truppen zwar gut ein, macht jedoch viele Fehler bei grundlegenden Standards des Genres. Ohne Geplänkel für Einzelspieler, einer nicht vorhandenen KI und schlechter Synchronisation vergrault die Umsetzung viele Spieler. Wenn man online einen Kontrahenten findet kann man zwar kurzweilige Schlachten schlagen, jedoch macht das die teilweise schweren Mängel auch nicht mehr wett.

Wertung: 71%


Anhang:

Free Image Hosting at www.ImageShack.us Jetzt kommt eine Neuheit in meinen Tests, nämlich der Anhang von erwähnenswerten Dingen oder Tipps die an der Wertung aber keinen Anteil genommen haben. Da wäre bei Warhammer: Mark of Chaos zunächst die Collector’s Edition zu nennen, die ich mir auch geholt habe.

Vor euch seht ihr den komplette Inhalt der Warhammer: Mark of Chaos Collector’s Edition:

1. Plastikbannerhalter mit Banner und Bannervorlagen zum Bemalen
2. Artbook
3. Handbuch
4. Aufkleber mit Motiven aus dem Spiel
5. Fantasy-Roman Warhammer: Mark of Chaos von Anthony Reynolds (Englisch)
6. Metallfigur mit dem Emblem eines der vier Chaosgötter (in meinem Fall Nurgle)
7. Spiel-DVD und Soundtrack
8. Karton