PANGYA! Golf with Style

Nintendo Wii | USK: ohne Altersbeschränkung | Ntreev/Tecmo


Die Golf-Kostümparade

Manch einer mag das Spiel vielleicht schon kennen. "Pangya" gibt es schon länger unter dem Namen "Albatross18" für den PC, eine deutsche Fassung davon gibt es seit Ende März 2007. Die PC-Fassung ist ein reines Onlinespiel und zudem völlig kostenlos. Lediglich für das ein oder andere Item wird man mit echtem Geld zur Kasse gebeten. Macht es von daher überhaupt Sinn, sich die Wii-Fassung zu kaufen? Bevor wir ein wenig mehr auf die eigentlichen Spielmechaniken und die damit verbundenen Unterschiede eingehen, noch ein paar Worte zur Story. Und ja, obwohl "Pangya" ein Golf-Spiel ist, hat es eine Story. Diese ist für einen Vertreter dieses Genres auch dezent abgedreht.

Es war einmal in einem Paralleluniversum das Inselreich Pangya. Einst wurde dieses friedliche Eiland von einem Dämonen heimgesucht, der langsam aber sicher sämtliche Lebenskraft entzog. Um die Katastrophe abzuwenden, schmiedete man einen Plan, das Loch, durch das die Lebenskraft der Insel aufgesaugt wurde, zu versiegeln. Die ansässigen Magier schufen einen Ball, der aus konzentrierter Energie bestand, und nannten ihn "mystischer Phönix". Jetzt musste der Ball nur noch zum Loch gebracht werden, jedoch war das wieder nicht einfach. Der Ball konnte nämlich nicht mehr berührt werden, die Energie war zu stark. Und so schufen sie Schläger, mit denen sich der Ball weiterschlagen ließ. Mit jedem Schlag entwich ihm aber ein wenig Energie. Keiner traute sich die schwierige Aufgabe zu, bis eines Tages aus einer anderen Welt ein mysteriöser Mann auftauchte. Er schlug den Ball mit wenigen Schlägen in das Loch und versiegelte es. Der Dämon war gebannt und der Mann wurde als Held gefeiert. Doch wenig später war er auch wieder verschwunden.

Klingt soweit ganz interessant, aber jetzt kommt's: Das Spiel hat mit dieser Story eigentlich wirklich nichts zu tun. "Pangya! Golf with Style" spielt viele Jahre nach diesen Ereignissen, zu Ehren des Helden wird ein Spiel namens "Pangya" gespielt. Und das ist nichts anderes als leicht abgedrehtes und knallbuntes Golf. Dennoch gibt es mit dem "Pangya Festa"-Modus, anders als bei der PC-Variante, einen Story-Modus. Hier schlüpft ihr in die Rolle von einem der acht Charaktere (sieben müssen jedoch erst freigeschaltet werden) und nehmt am Pangya-Turnier teil. In kleinen Zwischensequenzen vor und nach dem Spiel wird eine grobe Rahmenhandlung erzählt, die zwar nichts Besonderes darstellt, aber auch durchaus nett ist. Nachdem die reguläre Story eines Charakters abgeschlossen wurde, erwarten euch darüber hinaus noch eine Hand voll Nebengeschichten. Für ausreichend Umfang ist hier also gesorgt.

Auf dem Golfplatz selber geht es dann an den Ernst des Sports. Naja, nicht ganz. Ziel ist es natürlich, den bereitstehenden Ball mit so wenigen Schlägen wie möglich im Loch zu versenken. Zuerst bestimmt ihr mit dem Steuerkreuz, wohin euer Schlag gehen soll. Die Standard-Kameraperspektive verschafft euch in der Regel jedoch nicht den optimalen Überblick. Deswegen könnt ihr per Druck auf die 1-Taste der Wii-Remote zwischen drei Einstellungen wechseln: Schlag (Standard), Vogelperspektive und Zielpunkt. Zoomen könnt ihr bei den einzelnen Perspektiven, wenn ihr im Kameramodus B gedrückt haltet und die Fernbedienung auf den Fernseher zu- oder von ihm wegbewegt. Sollte die Schlagrichtung stimmen, die Schlagdistanz aber nicht, so könnt ihr mit dem Steuerkreuz zwischen verschiedenen Schlägern wählen, sofern der Untergrund es euch erlaubt. Wenn ihr nun soweit zufrieden seid, könnt ihr noch den Schlagpunkt bestimmen. Dazu reicht ein Klick auf den Golfball links unten im Bild und schon könnt ihr mit dem Steuerkreuz den Schlagpunkt verändern. Zusätzlich könnt ihr festlegen, ob ihr einen Powerspin bzw. eine Power-Kurve versuchen wollt. Der Powerspin bewirkt, dass der Ball noch ein Stückchen weiter bzw. zurück rollt (je nach Schlagpunkt), mit der Power-Kurve wird der Ball mit einer großen Links- bzw. Rechtskurve geschlagen. Diese Varianten setzen allesamt einen Pangya-Schlag voraus, zu dem wir später noch kommen. Wenn ihr mit allen Einstellungen zufrieden seid, geht es per Druck auf den B-Knopf endlich an den eigentlichen Schlag.

Damit kommen wir zur heißen Phase. Begonnen wird der Schwung, indem ihr die Wii-Remote wie einen Golfschläger senkrecht zum Boden haltet. Nun holt ihr aus und bestimmt so, wie viel Kraft ihr in euren Schlag setzen wollt. Hierbei gilt: Je weiter ihr ausholt, desto mehr Power trifft den Ball. Dabei könnt ihr in aller Ruhe an der Krafteinstellung feilen, bis ihr den eurer Meinung nach richtigen Wert erwischt habt. Dann habt ihr nur noch, wie auch bei "Wii Sports: Golf", den A-Knopf gedrückt zu halten und die Fernbedienung wie einen Golfschläger zu schwingen. Eventuell stößt ihr aber nun auf ein signifikantes Problem: Der Ball landete nicht dort, wo er sollte. Ihr habt den Schlag mächtig verzogen. Was war falsch?

Anders als bei "Wii Sports" wird bei "Pangya" auch der Winkel registriert, mit dem ihr die Wii-Remote beim Schlag haltet. Wenn ihr den Schlag verzieht, müsst ihr euer Handgelenk entsprechend ein wenig drehen, um diesen Fehler zu korrigieren. Am besten probiert man das eine Weile mit Testschlägen aus. Drückt ihr beim Schlag nämlich B anstelle von A führt ihr einen Probeschlag aus. So könnt ihr eure Haltung korrigieren, bis der Schlag halbwegs ordentlich aussieht. Das erfordert ein wenig Übung und ist in der Regel nicht von heute auf morgen erlernbar, auf Kosten der Einsteigerfreundlichkeit des Spiels. Hat man den Winkel aber erstmal raus, folgt ein Pangya-Schlag nach dem anderen. So einen führt ihr nämlich aus, indem ihr die Wii-Remote beim Schlag "perfekt" haltet. Solltet ihr mit der Schwung-Steuerung absolut nicht klarkommen, könnt ihr auch auf die dem PC ähnliche Knopf-Steuerung umschalten, nur nimmt das dem Spiel seinen eigentlichen Reiz. Ein Pangya-Schlag ist für die oben bereits erwähnten Spins und Kurven nötig, ebenso für die Powerschläge.

Derer gibt es insgesamt drei, wovon zwei für die erfolgreiche Ausführung, wie erwähnt, einen Pangya-Schlag voraussetzen. Um einen solchen Schlag überhaupt nutzen zu dürfen, müsst ihr durch erfolgreiche Schläge die Pangya-Leiste oben rechts im Bildschirm zu mindestens einem Drittel füllen. Jede der drei Sektionen steht für einen Powerschlag und ist eine rot gefärbt, habt ihr auch einen Schlag verfügbar. Durch einen einfachen Klick auf die entsprechende Schaltfläche auf dem Bildschirm aktiviert ihr den Grundschlag. Dieser geht 10 Meter weiter als normal und tritt immer ein. Zusätzlich könnt ihr nun noch eine von zwei verschiedenen Spezialschlägen auswählen. Einer davon ist der Tomahawk. Hierbei fliegt der Ball die gesamte Schlagdistanz hoch über den Boden und schlägt am Zielpunkt senkrecht ein. Der Ball rollt also nicht mehr weiter, es sei denn, man hat es mit einem extremen Gefälle zu tun. Der zweite Spezialpowerschlag ist der Kobra-Schlag. Dabei fliegt der Ball flach über den Boden, steigt gegen Ende noch einmal kurz auf und segelt zu guter Letzt langsam wieder zu Boden. Je nach Situation empfiehlt sich der Einsatz eines Spezialschlages, in der Regel werdet ihr jedoch häufiger den Tomahawk-Schlag verwenden.

Ist der Ball dann unterwegs zeigt sich, ob ihr auch alle Faktoren schön beachtet habt. Die Flugbahn des Balls kann nämlich noch durch Wind und Wetter beeinflusst werden. Bei Regen fliegt und rollt er nicht so weit wie üblich, durch Wind verschiebt sich die Flugbahn je nach Windstärke. Auch der Untergrund, auf dem die weiße Kugel landet, hat Auswirkungen auf die Rollweite. Bei Landungen im Rough oder gar im Bunker müsst ihr euch nicht wundern, wenn der Ball schneller ruhig liegen bleibt. Apropos Untergrund: Dieser beeinflusst nämlich beim Abschlag auch ein wenig eure Schlagstärke. Dementsprechend habt ihr mehr Kraft zu verwenden, wenn ihr im Bunker oder Rough landet. Diesem Problem kann man aber sehr einfach entgegenwirken, mit der Zeit stört es euch kaum noch, auf welchem Untergrund der Ball landet.

Hakelig wird es, wenn ihr es aufs Green geschafft habt. Ein Raster mit Punkten zeigt euch die Neigungen an. Je weiter der Punkt von der Mitte des Quadrats entfernt ist, desto steiler ist der Hang. Je nach Neigung habt ihr dann mehr oder weniger Kraft aufzuwenden oder gegenzulenken. Anfangs werdet ihr Wohl oder Übels eure Putts verziehen. Dennoch ist das System erlernbar und mit der Zeit werdet ihr auch längere Putts meistern können. Habt ihr den Ball dann endlich mit einer Schlagzahl in Höhe der Par-Nummer des Lochs oder darunter versenkt, springen Pang-Münzen aus dem Loch. Dabei handelt es sich um die Währung des Spiels. Pang könnt ihr euch nicht nur durch das Einlochen des Balls verdienen, sondern auch mit gelungenen Pangya-, Tomahawk- und Kobra-Schlägen, besonders weite Schlägen oder Spielsiegen.

Im Shop könnt ihr dann eure Pang-Ersparnisse ausgeben. Ihr könnt eure Charakterauswahl nach bestimmten Abschnitten im "Pangya Festa"-Modus gehörig aufstocken und eure insgesamt acht Golfer dann mit gekaufter Kleidung ausrüsten. Natürlich steckt dahinter viel mehr, als man glauben könnte. Mit den Kleidungsstücken könnt ihr nämlich die Statistiken eures Charakters verbessern. Dazu benötigt es aber auch noch separat einen kleinen Pang-Betrag. Bestimmte Story-Abschnitte setzen auch gewisse Klamotten voraus, ihr müsst aber nicht stur rumprobieren. Das Spiel gibt euch einen Hinweis darauf, was für solche Nebengeschichten erforderlich ist. Neben einer Erweiterung eures virtuellen Kleiderschranks könnt ihr euch noch mit Schlägersets, Bällen und Items eindecken. Letztere bringen euch bestimmte Boni, wie etwa Windstille oder einen Powerschlag. Auch könnt ihr euch verschiedene Caddies zulegen, die ebenfalls die Werte eures Golfers verändern. Euren voll ausgestatteten Schützling könnt ihr dann sogar auf eurer Wii-Remote speichern und zu Freunden mitnehmen.

Neben dem "Pangya Festa"-Modus warten noch diverse 18-Loch-Turniere und -Duelle auf den geneigten Einzelspieler. Das Zählspiel und der Duell-Modus sind auch im Multiplayer verfügbar, dazu kommt noch ein Minispiel, bei dem ihr Ballons mit eurem Ball treffen müsst. Bei dieser Variante könnt ihr euch vorher auch noch ein sogenanntes "Party-Objekt" aussuchen, mit dem ihr das Spielgeschehen etwas beeinflussen könnt. Mit den insgesamt 11 Kursen ist auch für Abwechslung gesorgt. Leider fehlt der Wii-Variante das, was die PC-Version groß gemacht hat: Der Onlinemodus. Ihr könnt lediglich offline golfen, dass dafür aber, mit Ausnahme des Ballon-Platzer-Modus, mit nur einer Wii-Remote.

Auf der technischen Seite hat "Pangya" leider auch einige Probleme vorzuweisen. Die Grafik ist in etwa auf demselben Niveau wie die PC-Version, vielleicht etwas besser, ruckelt aber unerklärlicherweise hin und wieder. Wenn zum Beispiel euer Ball Feuerwerkseffekte mit sich zieht, geht die Framerate in die Knie. Auch in einigen der ebenso wenig aufwändigen Zwischensequenzen im "Pangya Festa"-Modus treten hin und wieder Ruckler auf. Darüber hinaus lädt das Spiel unglaublich lange. Bis ein Spiel mal fertiggeladen ist, vergeht einige Zeit. Sie sind zwar nicht so extrem, aber kürzer hätten sie schon sein dürfen. Musikalisch bietet die Wii-Version ähnliche Stücke wie auf dem PC, diese sind aber leicht verändert worden und neue Tracks haben ebenso einen Weg auf die Scheibe gefunden. Ein großes technisches Problem ist aber die KI. Diese schwankt nämlich zwischen "unfassbar schlecht" und "unglaublich gut". Es kommt vor, dass euer KI-Konkurrent einen eigentlich einfachen Schlag komplett vermasselt, nur um im nächsten Zug mit einem eigentlich unmöglich guten Schlag diesen Fehler wieder auszugleichen. Hier hätte man definitiv noch einmal nachbessern sollen.

Vergleich mit der PC-Version: Wenn ihr wirklich alles haben wollt, was das Spiel bietet, also auch alle Klamotten, dann seid ihr mit der Wii-Version definitiv besser bedient. Das, was ihr auf dem PC noch an Euros in das Spiel zu stecken habt, übersteigt dann nämlich den Preis der Wii-Fassung um Längen. Dafür ist aber die PC-Steuerung wesentlich einfacher erlernbar als die Wii-Bedienung. Auch der Onlinemodus bringt dem PC Pluspunkte. Für heimische Partys ist die Wii-Variante aber dann wieder besser geeignet, da sich hier neue Charaktere und Kleidungsstücke aufgrund der niedrigeren Preise und größeren Pang-Gewinne schneller freischalten lassen. Allerdings auch noch langsam genug, um euch lange an den Bildschirm zu fesseln. Welche Version besser ist, hat jeder für sich zu entscheiden. Die Vor- und Nachteile halten sich in etwa die Waage.

Fazit: Ich bin ein großer Freund der PC-Fassung und war dementsprechend gespannt, was das "Pangya! Golf with Style" auf Wii so alles hergibt. Es war erstaunlich viel, muss ich gestehen. Der Story-Modus ist wirklich umfangreich, bis man alles freigeschaltet hat, vergehen etliche Spielstunden, und mit drei Freunden kommt richtig Freude auf. Leider täuscht das nicht über den fehlenden Onlinemodus hinweg. Ebensowenig lassen sich die Ruckler, KI-Fehler und Ladezeiten ignorieren. Auch die gewöhnungsbedürftige Steuerung dürfte für den ein oder anderen ein Problem darstellen. Mein Tipp daher: Spielt erst einmal die PC-Version an, um die Spielmechanik an sich zu verstehen, also Putten, Windeinschätzung und so weiter, und probiert die Wii-Fassung nach Möglichkeit irgendwo aus um herauszufinden, ob euch das Spiel liegt. Spaß macht "Pangya" nämlich, es ist nur eine Frage des Geschmacks und des Gefühls.

Meine Wertung: 79%



Begleitendes Testvideo

7.7.07 11:51

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