Killzone 2


Release: 25. Februar 2009
Entwickler: Guerilla Games
Publisher: Sony Computer Entertainment Europe
USK: Keine Jugendfreigabe (ab 18)
Plattform: Playstation 3



Stell dir vor, es ist Krieg und alle gehen hin.
Wie? Den Aufhänger habe ich schon mal benutzt? Mag sein, aber in Killzone 2 ist wirklich Krieg und es gehen wirklich alle hin! Trotzdem nicht kreativ genug? Okay, kleinen Moment . . .
,,Sev! Get your goddam ass into cover!’’
Spätestens wenn euch dieser Satz aus den Lautsprechern eures Fernsehers entgegenschallt, solltet ihr tun wie euch geheißen wurde und euren verdammten Arsch in Deckung bringen! Die Helghast meinen es ernst und werden bestimmt nicht mit Absicht daneben zielen!
Ihr müsst den ruppigen Ton entschuldigen, aber Killzone 2 hinterlässt eben Eindruck. Und das nicht nur mit dem Gefluchte muskelbepackter Soldaten, sondern vor allem graphisch und spielerisch: Einen dermaßen hochauflösenden, flüssigen und einfach verflucht gutaussehenden Shooter hat die Playstation 3 einfach noch nicht erlebt. Die Umgebung, die Charaktere, die Waffen und einfach alles, womit ihr es beim Gegenangriff zu tun bekommt, überzeugt optisch vollkommen und hat hervorragende Animationen spendiert bekommen.
Moment, Gegenangriff?
Kleine Geschichtsstunde: Im Jahre 2357, zwei Jahre vor der Handlung von Killzone 2, fielen die Helghast, ehemalige Erdkolonisten, die durch das Leben auf dem rauen Planeten Helghan zu einer Art Supermenschen geworden sind, auf dem Planeten Vekta ein, der zum Sternenreich der Erde gehört. Nachdem diese Invasion im Rahmen der Handlung des ersten Teils abgewehrt wurde, holt die Erde nun zum Gegenschlag aus: Eine eigene Invasionsarmee wird zusammengestellt und macht sich auf den Weg nach Helghan, um Scolar Visari, den nationalistischen Anführer der Aggresoren zu entmachten.
Der Spieler übernimmt die Rolle des Sergeant First Class Sevchenko, kurz Sev und landet als Teil eines vierköpfigen Spezialkommandos in Phyrrus, der Hauptstadt des Planeten, die von Visari evakuiert und zu einer einzigen Festung umgebaut worden ist.
Und ab da geht’s richtig los und für etwa acht Stunden fliegt Sev so viel Blei um die Ohren, dass man beginnt, sich Sorgen um dein eigenen Fernseher zu machen. Die Helghast sind überall, setzen auf verschiedenste Taktiken und Waffen und besitzen eine KI, die ihres gleichen sucht: Die feindlichen Soldaten, die eine verblüffende Ähnlichkeit zu den deutschen Truppen des Zweiten Weltkrieges aufweisen (und Englisch mit deutschem Akzent sprechen ...), geben sich gegenseitig Deckung, rufen sich lauthals zu, wenn sie nachladen oder eine Granate im Anflug ist und schaffen es hervorragend, dem Spieler das Leben schwer zu machen.
Auch die eigenen Truppen, von denen man auf dem Feldzug begleitet wird, überzeugen und laufen angenehm selten vor der Flinte herum. Wo wir gerade bei Flinten sind: Killzone 2 bietet ein beachtliches Waffenarsenal, in dem vom Revolver über den Granatwerfer bis zur experimentellen Stromkanone alles vertreten ist, was das Soldatenherz begehrt. All diese Zutaten vermischt ergeben ein opulentes Bildschirmspektakel, das von einem großartigen Soundtrack untermalt wird, aber leider eine Solovorstellung bleibt; gerade in Anbetracht des Viererteams, mit dem man unterwegs ist, stellt es ein schon beinahe strafbares Versäumnis dar, keinen Koop-Modus zu integrieren. Welch einen Spaß hätte es gemacht, sich mit einem oder vielleicht sogar drei Freunden abzusprechen und feindliche Soldaten perfekt koordiniert ins Kreuzfeuer zu nehmen. Wobei das zu Beginn auch allein kaum gelingt, da die Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig ist und hin und wieder zur Daumenakrobatik aufruft (Mit L2 hinter die Deckung kauern, mit dem linken Analogstick über die hüfthohe Mauer lunzen, mit R3 zoomen, mit dem rechten Stick zielen und mit R1 schießen). Ein weiterer Punkt, bei dem Guerilla etwas hätte nachbessern müssen, ist das Leveldesign: Zwar ist an der Ausstattung und Aufmachung der einzelnen Level nichts auszusetzen, doch handelt es sich bei einem großen Teil um simple, unverzweigte Schläuche, die man von A nach B durchqueren muss, um die Mission zu beenden. Unterwegs werden dann alle Gegner zersiebt, hier und dort eine Sprengladung installiert, die dann mit grandiosen Effekten detoniert und schließlich gibt es eine Zwischensequenz mit markigen Soldatensprüchen und aufgesetztem Patriotismus.
Die Story selbst reißt zwar keine Bäume aus und ist an einigen Stellen berechenbar, unterstützt das Spiel aber ausreichend. Nur nach dem Kampf gegen Radec, den Oberbefehlshaber der Helghast-Armee, möchte man das Gamepad in die Ecke werfen: Wie kann man einen so großartigen, spannenden und fordernden Gegner
so lieblos inszenieren und ohne Hintergrund in den Raum werfen? Dieser Bösewicht hätte vielleicht sogar mehr Storypotential gehabt als Visari selbst, dem man nur kurz danach gegenübersteht.
Bleibt am Ende also nur ein bombastisch aussehender, aber erzählerisch enttäuschender Actiongigant? Nicht ganz, denn wenn man die Einzelspielerkampagne auf einem der vier Schwierigkeitsgerade (von denen schon der leichteste seine Tücken hat) hinter sich gelassen hat, kann man sich dem Mehrspielermodus zuwenden. Hier balgen sich bis zu 32 Spieler in fünf Spielmodi 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Von Teamdeatchmatch bis Search and Destroy sind alle gängigen Modi vertreten und lassen sich als eine von sechs Charakterklassen erleben. Ob als Sturmsoldat direkt im Getümmel oder als Saboteur hinter feindlichen Linien, auch hier gilt das gleiche wie im Einzelspieler:
,,Get your goddam ass into cover!’’


Fazit:
Selten hatte ich einen dermaßen bombastischen Shooter auf der Bildfläche, der förmlich den ganzen Raum erzittern lässt und mir mit cleverer KI immer neue Vorgehensweisen aufzwingt. Selten hatte ich so spannende Mehrspielergefechte, in denen ich durch verschiedene Klassen und Ziele immer wieder neue Herausforderungen und stets gleichbleibenden Spaß finde. Selten hatte ich so hervorragend durchdachte Schlauchlevel, die am Ende aber Schläuche bleiben.
Selten hatte ich so coole Soldaten um mich, die im Endeffekt aber gesichtslos bleiben.

Wertung: 91%

9.6.09 22:06

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